Da kommt man vom Arzt nach Hause mit der Diagnose F33.2 G – Rezidivierende depressive Störung. Lies hier, was das bedeutet und noch mehr, was es NICHT bedeutet.
Die ICD-10 Diagnose F33.2 bedeutet, dass Du – bzw. der von der Diagnose Betroffene – schon längere Zeit an Depressionen leidest. Und nach Einschätzung deines Arztes ist es momentan sogar so schlimm, dass er die aktuelle Episode als schwer einschätzt.
Mit einer solchen Diagnose bist Du nicht alleine. In Deutschland sind Millionen Menschen von einer Depression betroffen – Frauen ungefähr doppelt so häufig wie Männer. Und die Tendenz ist leider – weltweit – steigend.
Offensichtlich ist es dir – bzw. dem Betroffenen, wenn Du für jemand anderen nachschaust – noch nicht gelungen, einen Weg aus der Depression zu finden und sie komplett hinter dir zu lassen. Tatsächlich steigt die „Rückfallgefahr“, also das erneute Auftreten einer depressiven Episode, mit der Dauer der Erkrankung an.
Ich war selbst jahrelang von Depressionen und Angststörungen betroffen (F33.2 stand bei mir auch mehrere Male auf der AU) und musste mich mühsam zurück ins Leben „kämpfen“. Doch mit Wille alleine ist es bei solchen Erkrankungen leider nicht getan. Viel wichtiger ist es, dass Du eine Behandlung findest, die für dich passt und für dich die richtige ist. Eine, die an deinen individuellen Problem ansetzt, so dass Du schnell eine langfristige Besserung spürst und bei der es langfristig in die richtige Richtung geht, bis Du schließlich symptomfrei bist.
In diesem Artikel erfährst Du,
- die Bedeutung der Diagnose „F33.2 Rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig schwere Episode ohne psychotische Symptome“ nach ICD 10,
- was die Diagnose mit dem Diagnoseschlüssel F33.2 nicht bedeutet,
- wie dein Arzt F33.2 diagnostiziert (Diagnosekriterien),
- wie der weitere Verlauf dieser psychischen Erkrankung ist und wie die Aussichten auf Heilung sind,
- wie die schulmedizinische Standardtherapie bei F33.2 aussieht
- und was Du – als Selbsthilfe – selbst noch unternehmen kannst.
Über mich
Hallo,
mein Name ist Andreas und ich bin 44 Jahre alt. Ich litt jahrelang unter einer Angststörung mit Panikattacken, Depressionen und Zwangsverhalten.
Falls Du mehr über mich erfahren möchtest und was mir persönlich am meisten geholfen hat, kannst Du das hier nachlesen.
Die Bedeutung der ICD-10 Diagnose F33.2
Wer eine solche Diagnose F33.,2 erhält, erfüllt folgende 3 Kriterien:
- Er leidet an einer Depression bzw. an einer depressiven Störung, wie sie unter Medizinern auch oft genannt wird.
- Diese Depression ist rezidivierend, das bedeutet so viel wie „immer wieder kehrend“. Im Volksmund würde man vielleicht auch chronisch sagen. Obwohl mir das persönlich nicht so gefällt, weil es den Anschein erweckt, man könne diese chronische Depression nie wieder loswerden.
- Momentan befindet sich der Betroffene in einer schweren depressiven Episode. Die Situation ist also momentan sehr kritisch. Dem Betroffenen gut zureden zu wollen, funktioniert schon lange nicht mehr. Auch sich irgendwie aufzuraffen, um Arbeit oder Alltag noch irgendwie zu bewältigen… funktioniert genauso wenig. Eventuell, aber nicht notwendigerweise, besteht auch Suizidgefahr. In diesem Falle wäre zu überlegen, ob zur Sicherheit nicht ein Klinikaufenthalt die beste Option wäre. Doch nicht immer bedeuten Suizidgedanken auch eine konkrete Suizid-Absicht bzw. Intention. Das sollte jedoch von einem fachkundigen Psychiater abgeklärt werden.
Übrigens: manchmal findest Du auch das Kürzel F33.2 g. Das G bedeutet an dieser Stelle, dass solche Diagnosen gesichert sind (z.B. durch den Psychiater). Fehlt das G, ist sich der Arzt, der die Diagnose stellt, offensichtlich noch nicht zu 100% sicher.
Depressive Störungen
Um eine Depression zu diagnostizieren, versucht der Arzt – im Regelfall der Psychiater – im Anamnese-Gespräch herauszufinden, ob und welche Symptome vorliegen, die für eine Depression sprechen.
Die in Frage kommenden Symptome einer Depression werden hierzu in sogenannte Hauptsymptome und Nebensymptome unterteilt.
Damit eine Depression bzw. eine depressive Störung diagnostiziert werden kann, müssen:
- die Symptome bereits seit mindestens 2 Wochen bestehen, was bei einer rezidivierenden Depression ja der Fall sein sollte
- es müssen mindestens zwei der drei Hauptsymptome vorliegen
- und mindestens 2 Nebensymptome
Zu den Hauptsymptomen zählen (2):
- Gedrückte Stimmung
- Interessen- und Freudlosigkeit
- Antriebsmangel (verminderter Antrieb) bzw. erhöhte Müdigkeit
Genauere Informationen, wie sich die Hauptsymptome äußern kannst Du hier (2) nachlesen.
Zu den Nebensymptomen zählen:
- Verminderte Konzentration und Aufmerksamkeit
- Vermindertes Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen
- Schuldgefühle und und Gefühle von Wertlosigkeit
- Negative und pessimistische Zukunftsperspektiven
- Suizidgedanken/-handlungen
- Verminderter Appetit
Auch Früherwachen am Morgen, ohne wieder einschlafen zu können, das bekannte Morgentief oder die Angst vor Ablehnung zählen hierzu. Der Appetitverlust kann nach längerer Zeit auch zu starkem Gewichtsverlust führen. Manchmal ist auch im Rahmen einer agitierten Depression eine übertriebene Agitiertheit zu beobachten, das bedeutet der Patient steigert sich zur Ablenkung beispielsweise übertrieben in irgendwelche Aktivitäten (z.B. Arbeit), was nicht selten in einer Erschöpfungssymptomatik endet.
Du kannst ja mal nachprüfen, ob und inwieweit Du dich in dieser Beschreibung widerfindest.
Rezidivierend
Eine Depression bezeichnet man rezidivierend, wenn es immer wieder zu erneuten depressiven Episoden kommt, nachdem der Patient bereits ein oder mehrere Male symptomfrei gewesen ist. Die Gründe für ein erneutes Auftreten können sehr vielfältig sein:
- Manche Menschen leiden saisonbedingt über den Winter an sogenannten Winterdepressionen.
- Belastende Lebensumstände und Stress – ob im Beruf, im Alltag oder in der Beziehung – sind meiner Erfahrung nach mit der häufigste Auslöser für das erneute Auftreten einer depressiven Episode.
- Auch gesundheitliche Probleme können einen Rückfall triggern.
- Manchmal ist man sich der Ursache oder des Auslösers auch gar nicht bewusst und die Depression kommt scheinbar „wie aus dem Nichts“ wieder zurück.
Um das erneute Auftreten von depressiven Episoden zu vermeiden bzw. vorzubeugen, spielt die Rolle der Resilienz eine wichtige Rolle. Daran kann und sollte man – insbesondere in guten Phasen – auch arbeiten, damit man für spätere Belastungssituationen gewappnet ist. Weitere Information in meinem Artikel zum Thema Übungen, um die Resilienz zu stärken.
Schwere depressive Episode
Leidest Du oder ein Angehöriger aktuell unter einer schweren depressiven Episode (wie das bei F33.2 ja der Fall ist), gibt es meiner Meinung nach folgende Strategien, damit umzugehen:
- Abwarten und Geduld: wenn die schwere depressive Episode noch nicht lange anhält, kann man gewissermaßen „abwarten“, bis bzw. ob nicht bald von alleine eine Besserung eintritt und die depressive Episode in eine mittelgradige übergeht. Würde ich als alleinige Strategie nicht ohne Rücksprache mit dem Psychiater empfehlen.
- Medikationsbedarf überprüfen: nimmst Du bereits Medikamente ein? Falls nicht, ist jetzt möglicherweise der Zeitpunkt, an dem es nicht mehr ohne geht? Oder nimmst Du bereits Medikamente ein, die aber nicht anschlagen? Muss deine Medikation evtl. umgestellt werden?
- Klinikaufenthalt: besteht möglicherweise akute Suizidgefahr, so dass Du zu deiner eigenen Sicherheit sofort in die Klinik solltest? Oder zumindest in den kommenden Wochen einen Termin für einen Klinikaufenthalt ausmachen solltest?
- Gespräche: bist Du bereits in Psychotherapie? Falls ja, würden Dir evtl. zusätzliche Termine zur Stabilisation bei deinem Psychotherapeuten helfen? Dann solltest Du ihn auf jeden Fall schnellstmöglich darauf ansprechen. Du bist (noch) nicht in Psychotherapie? Vielleicht hilft Dir ein Gespräch im Rahmen eines Krisentelefons oder der Telefonseelsorge. Weiter unten findest Du einen Link mit weiteren Informationen.
- Angehörige und Freunde: vertraue Dich deinem Partner, einem Freund oder einem Familienmitglied an und bitte um Unterstützung.
- Termin beim Psychiater: vermutlich warst Du bereits beim Psychiater gewesen. Fühlst Du Dich gut betreut und gut beraten oder hast Du noch Fragen bzw. Gesprächsbedarf? Falls ja, ruf ruhig nochmals an und bitte um Rückruf. Oder frag jemanden, der das für dich mach und der dich möglicherweise auf einen weiteren Termin begleitet.
Idealerweise beziehst Du einen Freund oder einen sonstigen Vertrauten mit ein. Denn wer selbst gerade in einer depressiven Episode (Major Depression) steckt, kriegt ja meist selbst gar nix hin. Das ist gar nicht böse oder abwertend gemeint, das ist einfach so. Scheu‘ dich nicht, Hilfe anzunehmen.
Was die Diagnose F33.2 nicht bedeutet
Die Diagnose F33.2 bedeutet gleichermaßen, dass keine psychotischen Symptome vorliegen, denn dafür haben Mediziner eine eigene ICD-10-Klassifizierung, nämlich F33.3: Rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig schwere Episode mit psychotischen Symptomen (1).
Zu psychotischen Symptomen im Rahmen einer Psychose würden zählen (3):
- Wahnvorstellungen bzw. Wahnideen
- Sinnestäuschungen (Halluzinationen)
- Denkstörungen
- Wesensveränderungen
- Gefühlsveränderungen
Bist Du Dir nicht sicher, ob bei dir psychotische Symptome vorliegen, dann schau mal hier (3) nach weiteren Informationen.
Des Weiteren scheint bei Dir auch keine Manie vorzuliegen, wie sie beispielsweise im Rahmen einer Bipolaren Störung auftreten würde. In sogenannten manischen Phasen wäre der Patient übertrieben leistungsfähig, energiegeladen und euphorisch. Und das Ganze im Wechsel mit depressiven Phasen.
Verlauf
Nicht immer ist der Verlauf einer psychischen Erkrankung linear. Oft wechseln sich gute symptomfreie Phasen bzw. Episoden mit mehr oder minder ausgeprägten depressiven Episoden ab.
Depressive Episoden können einige Wochen bis zu mehreren Monaten anhalten. Da Du ja nicht das erste Mal von einer depressiven Episode betroffen bist (sonst würde die Diagnose nicht F33.2 lauten), geben dir die Dauer deiner vorigen Episoden die besten Anhaltspunkte, wie lange es bei Dir dieses Mal dauern könnte – es sei denn, Du findest dieses Mal eine Therapie, welche besser anschlägt als beim letzten Mal.
Viel wichtiger, als auf Statistiken zu schauen, finde ich jedoch, dass überhaupt eine langfristige Besserung eintritt, dass es immer besser wird und dass die Rückschlage weniger werden, weniger schlimm sind und kürzer anhalten.
Das Wichtigste ist jetzt erstmal, die Schwere deiner aktuellen Depression abzumildern, so dass Du Dich nicht mehr in einer schweren Episode befindest, sondern nur noch in einer mittelgradigen oder vielleicht einer leichten Episode. Dass sich die Stimmung langsam bessert, der Antrieb wieder kommt etc. Notfalls auch durch einen Klinikaufenthalt oder falls notwendig auch durch Einsatz von Antidepressiva.
Dann gilt es versuchen zu stabilisieren und einen Rückfall zu vermeiden. Eine Analyse mit einem Psychotherapeuten, wie es zu der schweren Episode kommen konnte, kann hierbei durchaus hilfreich sein.
Wie es anschließend weitergehen kann, liest Du am besten in meinem Artikel über die mittelgradige Episode F33.1 weiter: https://meinwegausderangst.de/f33-1-rezidivierende-depressive-stoerung-mittelgradige-episode/
Was ich jedem mal raten würde, auszuprobieren
Ein persönlicher TippIch habe sehr gute Erfahrungen mit CBD-Öl gemacht. Es entspannt und beruhigt mich und hat mir sogar dabei geholfen, von meinen Antidepressiva loszukommen. Ich habe hierzu auch einen eigenen Erfahrungsbericht geschrieben, den Du hier nachlesen kannst.
Andreas
Online-Tests
Die schulmedizinische Standard-Therapie bei F33.2
…. ist eine Kombination aus Antidepressiva und Psychotherapie. Punkt. Einige Tipps, wie Du einen Psychotherapeuten findest, kannst Du – bzw. eine Vertrauensperson, welche Dir dabei hilft – hier nachlesen: https://meinwegausderangst.de/psychotherapie-psychotherapeut-finden/.
Weitere Infos zu Antidepressiva findest Du hier: https://meinwegausderangst.de/antidepressiva. Aber zu diesem Thema musst Du Dich ja eh vom Psychiater beraten lassen, welcher Dir das Rezept für das Antidepressivum gegebenenfalls verschreibt.
Sobald Du die Kraft, die Motivation oder den Antrieb dafür aufbringen kannst, würde ich Dir raten zu versuchen, die Dinge mehr und mehr in die Hand zu nehmen. Recherchiere, was Du noch als Selbsthilfe für dich tun kannst – und komm in die Umsetzung und probier‘ es aus. Der folgende Artikel könnte Dir dabei helfen: https://meinwegausderangst.de/raus-aus-der-depression/.
Fazit: erstmal das Gröbste überwinden
Erstmal das Gewitter überstehen, dann in Ruhe weiterschauen
Du befindest Dich mit der ICD-10-Diagnose F33.2 sozusagen im Krisenmodus. Mit einer aktuell schweren depressiven Episode bekommst Du bzw. der Betroffene vermutlich im Alltag nicht so viel hin. Überlegungen und Entscheidungen, was denn jetzt im Falle von F33.2 wie am besten zu tun ist, fallen Dir bzw. dem Betroffenen schwer. Deswegen kannst Du oder der Betroffene von einer Unterstützung durch eine Vertrauensperson (Partner, Familienangehöriger) sehr profitieren.
Es geht jetzt erstmal darum, in den Krisenmodus zu schalten und wichtige Entscheidungen zu treffen: Medikamente ja oder nein. Klinik ja oder nein. Klinik: ja oder nein und welche. Nimm‘ Dir zum Gespräche mit dem Psychiater am besten eine weitere Person zur Unterstützung mit.
Wenn es Dir ein bisschen besser geht, dann „bleib am Ball“ und suche gegebenenfalls weiter nach Behandlungen, welche Dir helfen – oder mach das weiter, von dem Du weißt, dass es hilft.
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Doku von Arte zum Thema Medikamentensucht
Die Dokumentarfilmerin Liz Wieskerstrauch dreht eine Reportage über Menschen mit Medikamentensucht. Sie sucht noch nach Betroffenen, die sie zwei Tage in ihrem Leben begleiten kann.
Falls du also von deinen Benzodiazepinen (oder auch anderen Psychopharmaka) nicht mehr loskommst, obwohl dein eigentliches Problem gar nicht mehr da zu sein scheint, und du Interesse hast, dass sie dich zwei Tage begleitet, dann kannst du dich bei ihr unter liz@wieskerstrauch.com melden.
Das Projekt hat nichts direkt mit mir zu tun. Aber ich helfe hier gerne bei der „Vermittlung“.
CBD: eine Alternative
Während meiner persönlichen Leidenszeit, als ich noch selbst unter Depressionen und Angststörungen gelitten hatte, probierte ich viele pflanzliche Mittel aus, um von meinen Antidepressiva loszukommen. Ob Lasea (Lavendelöl), Johanniskraut, Baldrian oder homöopathische Mittel wie Neurexan – ich hatte schon alles probiert, bis ich schließlich auf CBD-Öl gestoßen bin, was bei mir letztlich den Durchbruch gebracht hatte.
Meinen Bericht, wie ich auf CBD gestoßen bin und wie es bei mir wirkte, kannst Du hier nachlesen.
Schnelle Hilfe?
Falls du Selbstmordgedanken hast und akut Hilfe brauchst: Anlaufstellen wie die Telefonseelsorge (0800 – 111 0 111 oder 0800 – 111 0 222) sind rund um die Uhr für dich erreichbar.
Weitere Hilfsangebote findest du hier.
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